Gasspeicher sind voll, es darf ein kalter Winter werden
Wahrscheinlichkeit für Neuauflage der Gas-Krise 50 zu 50 - Gasspeicher zu 90 Prozent voll - Milliarden-Investitionen in Kapazitätsausbau
Die Chancen für eine Neuauflage der Gaskrise im kommenden Winter liegen nach Einschätzung von Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner (V) bei 50 zu 50 - allerdings brauche sich deswegen in Österreich niemand sorgen zu machen. "Wir sind bestens vorbereitet, es darf ruhig ein kalter Winter werden", sagte Mitterlehner am Freitag bei einer Besichtigung des Gasspeichers Haidach an der Grenze zwischen Salzburg und Oberösterreich.
Gemessen an der aktuellen Kapazität der Erdgasspeicher in Österreich liege der Befüllungsgrad bei fast 90 Prozent. "Wir haben 4,2 Mrd. Kubikmeter Gas, das entspricht fast 50 Prozent des österreichischen Jahresverbrauchs", erklärte der Minister. Per Ende November hätten die OMV und die RAG (Rohöl-Aufsuchungs-AG) in ihren Anlagen sogar um 660 Mio. Kubikmeter Erdgas mehr eingespeichert gehabt als im Jänner 2009. Darüber hinaus habe Gazprom bereits im Oktober zugesagt, für den Fall einer neuerlichen Gaskrise wie beim letzten Mal seinen Anteil am Gasvorrat in Haidach für den österreichischen Bedarf zur Verfügung zu stellen, sagte Mitterlehner.
Derzeit stammen 54 Prozent des in Österreich verbrauchten Gases aus Russland, 14 Prozent aus Österreich selbst, 12 Prozent aus Norwegen. Um die Abhängigkeit von Russland zu verringern, ist Österreich über die OMV federführend am Nabucco-Pipelineprojekt beteiligt, führt aber auch Gespräche mit Russland über dessen South-Stream-Projekt. "Beide Projekte haben den Vorteil, dass sie an der Ukraine vorbei führen", erklärte Mitterlehner.
Das Wirtschaftsministerium habe erst letzte Woche vom Ministerrat eine Verhandlungsvollmacht für South Stream bekommen, "Priorität hat aber Nabucco", so Mitterlehner. "Bei dem anderen Projekt bin ich mir auch sicher, dass es realisiert wird, aber später als Nabucco", denn South Stream sei technisch anspruchsvoller und deswegen auch teurer.